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Endura Alpentraum - unser 2.tes Saisonhighlihgt - Was für ein krasser Scheiss

September 16, 2013

 

3 Wochen nach dem wahrscheinlich kältesten Ötzi seit Zeitrechnung stand am 14.09. der Endura Alpentraum by Roadbike auf dem Programm. Das hatten sich die Organisatoren ja pärchtig ausgedacht - an einem Tag über die Alpen von Sonthofen in Deutschland über Österreich, Schweiz nach Sulden in Südtirol - 6078 hm und 252 km. Das war doch mal ne Hausnummer. Ich machte mir in meinem jugendlichen Leichtsinnn komischerweise keine Sorgen als ich mir das Höhenprofil anschaute. 6 Pässe, aber alle nicht allzu hoch und da ich den Ötzi geschafft hatte, konnte ich diesen Hammer auch schaffen. 

Die Anreise nach Sonthofen am Freitag Mittag gestaltete sich sehr feucht. Es schüttete, aber ich dachte mir, was am Freitag schon abregnet, kommt am Samstag nicht mehr runter. 

Nach und nach trudelte unser Team im Hotel ein. Leider war Lindi, meine Heißdüse nicht mit am Start, da ein grippaler Infekt sie ausgeknockt hatte...ich musste mich also 13 h mit mir selbst beschäftigen... 

17 Uhr war eine kleine Ausfahrt geplant. Pünktlich riss der Himmel auf und es wurde trocken. 19 Uhr stand in der Sonthofener Markthalle die Pasta Party und das Race Briefing auf dem Programm. Das Wetter war natürlich wieder ein wichtiges Thema. Ich hatte echt Schiss, das gleiche Wetterdrama wie beim Ötzi zu erleben. Am Tag zuvor hatte es auf dem Hantenjoch und dem Stelvio 10 cm Neuschnee gegeben..puuuuhhhh....aber die Offiziellen waren guter Dinge, meinten, dass der Schnee bis zum Rennen schmelzen würde und hatten zur Not bei aufkommender Glatteisgefahr den Salzvorrat aufgestockt ..;-).....Gefühlt war irgendwie alles leicht chaotisch angehaucht...Hier und da waren noch Fragen offen, was dann aber letztendlich in einem kurzen Teammeeting im Hotel geklärt wurde. Zurück auf unserem Zimmer richteten Babsi und ich unsere Klamotten und das Rad für den nächsten Tag. Das Gepäck für Sulden war ebenfalls gepackt und gegen 0 Uhr gings ins Bett. Nach 4 Stunden Schlaf klingelte der Wecker und wir machten uns fertig. Ein Blick aus dem Fenster verriet mir, dass die Offiziellen Recht hatten - es regnete nicht...yiiieeeppiieehhh...

Beim Frühstück haute ich rein, was ging..naja..viel war es nicht..;-)...ick war dann dochn bissl uffjeregt,wa..:-)...

Daniel, der Roadbike-Redakteur meines Vertrauens war so lieb und verstaute mein Gepäck in seinem Auto. Es war angedacht, dass er mit dem Auto nach Sulden fährt das Team Alpecin und das Team der Roadbike-Redaktion während des Rennens betreut. Er sollte mich noch seeeehr lange begleiten an diesem Tag, was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste - dazu später mehr..;-)...

06:30 sammelten wir uns, fuhren zum Start und stellten uns brav auf. Das Startfeld war mit knapp 500 „Gestörten“ recht übersichtlich. Um Punkt 7 Uhr fiel der erste Startschuss und die ersten Regentropfen. Neeeeiiiin...nicht schon wieder dachte ich...und verbracht die nächsten 2 Stunden im Regen...Optimistisch wie ich war hatte ich meine Regenklamotten natürlich nicht eingepackt und war einfach mal komplett durchnässt...aber wat solls..was einen nicht umbringt, macht einen nur härrTTter..:-)...Oberjoch, Gaichtpass und die Fahrt zum Hantenjoch verbrachte ich in einer Gruppe und nutzte den Windschatten so gut es ging...es lief eigentlich ganz gut dachte ich mir...Am Aufstieg zum Hantenjoch wartete Daniel und hatte Patrick im Gepäck, der sich einen Platten gefahren hatte. Zwischendurch hatte ich auch noch Bernd aufgesammelt und wir machten kurze Pinkelpause bevor wir den Anstieg in Angriff nahmen. Ich startete durch und kam nach gefühlten 5 Stunden oben am Hantenjoch an...der Ötzi steckte wohl doch noch in meinen Knochn und es wollte nicht so laufen wie ich wollte...oder war ich der ersten km zu schnell angegangen? Keine Ahnung...aber es musste weitergehen..Daniel wartete schon mit Cola und anfeuernder Weise am Straßenrand..er sprach mir Mut für die anstehende Abfahrt zu..da hatte ich ja so meine Probleme beim Ötzi gehabt..ich stürzte mich in die Abfahrt...und es lief trotz aller Ängste echt gut...ich konnte sogar einige Herren überholen und hatte Daniel, der vorfuhr immer im Blick...die Kälte war auszuhalten, aber ich war froh, als ich unten in Imst ankam und mein Gesicht wieder entkrampfen konnte. Ich hatte von der Strecke überhaupt keinen Plan und wusste nicht, was mich als nächstes erwarten würde...aber es ging erstmal so 20 oder 30 km gemächlich bergauf Richtung Pillerhöhe..Ich traf immer wieder die gleichen „Nummern“ und „Namen“ auf meinem Weg..Udo mit Rucksack gab mir auf dem Weg zur Pillerhöhe mächtig guten Windschatten..dann war da noch Michi ohne Namen auf seinem Nummernschild und den gelben Überschuhen..und Geoffrey..irgendwie trafen wir uns abwechselnd immer wieder und fuhren hier und da zusammen...Bernd hatte ich mittlerweile verloren..dann kam die Pillerhöhe..auf dem Höhenprofil ein kleiner niedlich anmutender Hügel...aber in Wahrheit eine riesen Drecksau...ich hatte wohl die 9% Durchschnittssteigung und die 16% Rampen im Kleingedruckten übersehen und biss mir fast die Zähne daran aus..Zeit und Raum spielten keine Rolle mehr und meine Beine fühlten sich wie Gammelfleisch an. Ich traf Geoffrey und er fragte dann, ob wir es noch schaffen würden, wenn wir so weiterbummeln...hahahaha...12.57 war Kontrollzeit an der Pillerhöhe...Ich traf auf halbem Weg Bernd, der vergeblich versuchte Daniel zu erreichen..für ihn war die Reise zuende..ein Infekt hatte ihn die Woche zuvor zu sehr geschwächt und die Beine wollten nicht mehr...ich quälte mich weiter..Tritt für Tritt ..ohne zu denken..und da stand er wieder..Daniel mein Held..und feuerte mich an..ich hielt kurz an und fragte, wie es mit der Zeit ausschaute..ob ich noch drin wär...Daniel nur kurz..“Wenn Du jetzt weiterfährst, dann schaffst Du es noch“..Mist, dachte ich und stieg auf...laut meiner Uhr kam ich 13:02 Uhr an der Zeitnahme an..aber niemand machte Anstalten, mich rauszunehmen..OK..ich aß kurz und machte mich mit Geoffrey auf die Abfahrt...irgendwann war ich wieder allein unterwegs und es ging ewig seicht bergauf Richtung Reschenpass...eine Wohltat nach der anstrengenden Auffahrt zur Pillerhöhe..so konnte es weitergehen...zwischendurch traf ich dann wieder Michi, der immer schaute, ob Helm und Frisur bei mir noch passten..;-)...der Reschenpass mit seinen 3% Durchschnittssteigung lief wie von selbst und als ich in Nauders an der Verpflegung ankam traf ich wieder die alt bekannten Gesichter..:-)...Ich machte mich wieder mit Geoffrey auf den Weg..wir mussten uns mal wieder sputen. Wir mussten 16:45 Uhr in Laatsch sein, da wir sonst auf einer alternativen Strecke ohne den berühmten Stelvio nach Sulden fahren würden. Ich schaute auf das Höhenprofil vor mir und die 1300 hm des Umbrailpasses und Engel und Teufel in mir stritten sich, was denn nun besser wäre. Gas geben und den Stelvio mitnehmen oder alle Viere grade sein lassen und ne ruhige Kugel schieben..:-)...ich konnte eigentlich gar nicht zuende überlegen, denn meine Beine hauten einfach in die Pedale mit den Körnern die noch da waren...ich musste das schaffen...ich fuhr ne ganze Weile im Windschatten von Udo den Reschensee entlang...dann war mir da szu langsam und ich übernahm die Führung..zusammen mit Geoff fuhren wir dann abwechselnd runter nach Laatsch wo wir 16:30 durchfuhren...aber da war nix...keine Posten, keine Zeitnahme..nix...wollten die uns verarschen?..egal..wir hatten es geschafft und mir wurde die Ehre zuteil, den Stelvio in Angriff zu nehmen...Bei der Abbiegung zum Umbrail wartete so eine Art von Besenwagen mit der Aufschrift „Toni Biersack“...es saßen 4 oder 5 bedröppelte Typen drin, die glaub ich nich mehr wollten...der Fahrer diskutierte mit zwei Radlern, ob sie nicht einsteigen wollten..wir würden es eh nicht mehr schaffen und es wären mindestens noch 2000 hm und kaum noch Zeit..ich hörte mir das an, zeigte dem Fahrer innerlich nen Vogel und fuhr weiter...jetzt hatte ich mich bis hierher gekämpft..nun musste ich weiter...Ich kann mich nur noch vage an den Umbrail erinnern..ich hatte anfänglich ziemliche Schmerzen in den Beinen...um mich rum schwirrten ständig die schwarzen Service-Fahrzeuge und machten mich verrückt...immer wieder die Frage..“Was machen wir denn mit Dir Mädel?“...“Ich fahre, soweit ich komme“ die Antwort...Wie sollte ich das nur schaffen?..Daniel, der mittlerweile Bernd im Gepäck hatte, war da und hielt mir den Besenwagen vom Leib...beide feuerten mich in jeder Kehre an und immer wieder aufs Neue war ich den Tränen nahe...ich überlegte mir, dass die Jungs mich ja mit Auto hochziehen könnten, wenn die Servicefahrzeuge weg sind...oder ich könnte ja eigentlich auch einfach einsteigen...aber neee...das war nicht in meinem Sinn..ich war soweit gekommen...ich haderte ...dann kam wieder Michi vorbei und der lenkte mich ab...als extra eingebaute Schwierigkeit ..:-)....gab es ein Stück Naturstraße...ca. 2 km lang...Schotter vom Feinsten...ich fluchte...aber schaffte auch diese Hürde...weiter oben stand wieder Daniel und wir machten kurz Cola-Pause, um die letzten Reserven rauszuholen...keine Ahnung wie lang es noch war..ich trat mich halb ins Delirium...mir war schwindelig und ich guckte schon überkreuz...egal dachte ich..wenn ich umkippe, dann wird der Besenwagen mich schon aufsammeln...irgendwann kurz vor der Labestation am Umbrailpass kam dann die Streckensicherung und meinte, dass sie mich jetzt rausnehmen würden, da ich es aufgrund des Zeitlimits nicht mehr schaffen würde...ich sagte, dass ich mit meinen Jungs mitfahren würde, die oben am Umbrailpass warten...in der nächsten Kehre wartete Daniel schon mit offenem Kofferraum und meinte, wenn es nach ihm ging, dann steige ich jetzt ein...ich stieg ab..Daniel nahm mich in den Arm und plötzlich öffneten sich die Schleusen bei mir..vor Enttäuschung?..vor Kraftlosigkeit? Keine Ahnung..Ich heulte Rotz und Wasser, war mit Tomatengel, Colagel und Kekskrümeln von der Fahrt beschmiert und alles fand nun einen neuen Platz auf Daniels Sweat-Shirt...sorry Daniel..ich hoffe, die Sauerei geht beim Waschen wieder raus!!!..;-)...Er beruhigte mich und meinte dann..wenn ich noch bis zum Stelvio fahren wollte, dann würde er hinter mir herfahren und mich oben dann einpackn..gesagt, getan..ohne zu überlegen stieg ich wieder aufs Rad..fragte kurz, wie lang es denn noch sein...und fuhr los...7 km....ach Du scheiße..das schaff ich niiiiee...Ich fuhr und fuhr...Tunnelblick...an jeder Kehre warteten Bernd und Daniel und feuerten mich an...ich versuchte meine Tränen zurück zu halten...ohne Erfolg....dann die Labestation...Daniel kam mit Kaffee angerannt, den ich mir hinterkippte...ich durfte als einzige weiterfahren..auf eigene Verantwortung...Danke Daniel, dass Du das organisiert hast...4 km noch..ich sah die Häuser oben am Stelvio..und dann das Schild „10 Tornato“...Rückschlag...10 Kehren noch? Never...Immer wieder der Gedanke abzusteigen und hochzulaufen...oder doch lieber aufhören zu treten und einfach umkippen?..nein..ich muss da jetzt hoch...für mich..ich will auf den verdammten Stelvio...dann die 2 km-Marke auf der Straße...Glücksgefühle...das schaff ich..einfach nur treten...dann 1 km...ab der 500 m Marke in 50er Schritten...bei der 300 m Marke ging es nur noch geradeaus...und ich sah Daniel und Bernd oben, die mich ein letztes Mal anfeuerten und anschrien...ich war nur noch am schluchzen und die Tränen nahmen ihren Lauf...es machte Piep und ich hatte es geschafft..Passo del Stelvio...alles war gut...!!!..Mein Rennen hatte ich gewonnen, auch wenn ich es nicht bis ins Ziel geschafft habe. Daniel und Bernd packten mein Rad und mich ins Auto nachdem wir noch „Touri-Fotos“ gemacht hatten. Sitzheizung auf Vollgas und los gings..48 Kehren bergab..boooaaaahhhh..dachte ich..gut, dass ich als Abfahrtsspazialistin das nicht mehr gefahren bin..Horror...wie sind die anderen da bloß heil runtergekommen...mit Schlitten im Winter gerne...aber mit dem Raaaad?...No Way...

Und als wär das noch nicht genug warteten nach diesem Horror-Trip noch ein 10 km Anstieg hinauf nach Sulden ..es war mittlerweile dunkel und ich fühlte mit den Radfahrern die teilweise schiebend die letzten Höhenmeter zum Ziel zurücklegten. Zu guter letzt trafen wir kurz vor dem Ziel noch den Roadbike Chefredakteur Jens Vögele, der sich das alles mit ausgedacht hatte...Ich feuerte ihn an..kopfschüttelnd aber mit einem Lächeln kam er nach nach 13:44 h ins Ziel...

 

Unser Team hat sich bei diesem Hammer Rennen wieder einmal grandios geschlagen ...Lude, die alte Kampfsau hat sich Platz 2 gesichert und kurz dahinter auf Platz 4 kam unser Trainer vom Radlabor Tim Böhme ins Ziel. Stefan und Jan Niklas auf überragenden Plätzen 19 und 21. Insgesamt holte das Team den 1. Platz in der Teamwertung..was für ein Erfolg..kaum zu glauben aber wahr..und nicht zu vergessen...Babsi...die als 10.te bei den Frauen ins Ziel kam..RESPEKT Baby...Du bist der Wahnsinn...

 

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Sponsoren und Partnern etc. bedanken, die mir meine erste Rennradsaison so dermaßen „versüßt“ haben. Danke an Jörn/Alpecin, die die Idee ins Leben gerufen und die Organisatoren, die so ein hammergeiles Team ausgewählt  haben..Danke an Specialized, Lightweight, Campagnolo, Polar, Rotor und Schwalbe für das TOP Material, das mich nie im Stich gelassen hat. Danke an das Radlabor für die tolle Betreuung  und das „In-Form-Bringen“ über die Saison. Danke an Squeezy für die nötigen Kohlenhydrate. Danke an Assos, Uvex und Engelhorn für die klamottentechnische Ausstattung, damit wir auch immer eine gute Figur machen konnten..;)...natürlich auch Dank an die Roadbike Redaktion für die Berichterstattung etc..:-)..und zu guter letzt Dank an meine Alpecinis ohne die das alles nur halb so schön gewesen wäre..:-*..:-)...

 

 

 

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