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Infiziert - Rückblick auf meine erste aber mit Sicherheit nicht die letzte Rennrad-Saison

October 6, 2013

 

Alles begann im Februar, als ich zufällig im Internet auf die Team Alpecin Seite stieß und ohne zu überlegen auf den letzten Drücker meine Bewerbung für das TEAM ALPECIN RAODBIKE abschickte. Das war doch die Gelegenheit meine Rennrad-Phobie loszuwerden...:-)..was ich auch in meine Bewerbung schrieb...

Irgendwann Ende Februar war es glaub ich, bekam ich einen anonymen Anruf..Daniel von der Roakbike rief mich an und teilte mir mit, dass ich evtl. im Team wäre..ich war grad in einem Restaurant Mittag essen und konnte meine Begeisterung nicht so recht rüberbringen, was Daniel wunderte..:-)..lange Rede kurzer Sinn...er ließ mich noch ein paar Tage schmoren, bis ich die endgültige Zusage bekam..auf was hatte ich mich da nur wieder eingelassen...jeeeede Menge Training würde mich erwarten und dann ooch noch der Ötzi..oh mein Gott..alle machten mir Angst...aber da musste ich jetzt durch,gell..Dann kam das erste Teamtreffen in Bielefeld...als erster kam mir son Vogel in Anzug entgegen..das war unser sportlicher Leiter Lude, den ich bis dato nur aus Google kannte...dann noch so lauter bunte Vögel..und jeder so anders..:-)...und DR. ALPECIN höchstpersönlich..und alle total motiviert und enthusiastisch..geil, dachte ich..das wird ne spannende Saison als COFFEINSHAMPOO SCHUPSER ...:-)...und dann sah ich zum ersten Mal unser BIKE...bling bling...ein Traum..soweit ich das beurteilen konnte...ich hatte vorher nie ein Rennrad und bekam gleich mal nen Ferrari untern Arsch gesetzt..Bei den diversen Vorträgen und Einweisungen verstand ich nur Bahnhof..52/39 ...Clincher..Campa..Compex..Carbonfelgen hier, Schlauchreifen da......ach Du Scheiße..ich bin hier an ne Horde Freaks geraten...ich ließ mal alle machen, hörte brav zu und blieb einfach ruhig...

Wieder zuhause wollte ich natürlich uffs Bike..aber nix da..das Wetter machte mir einen Strich durch die Rechnung und bis zu unserem Trainingslager auf Malle bin ich gerade mal 100 km gefahren...super Vorraussetzungen dachte ich mir...Die Leistungsdiagnostik im Radlabor machte mir nicht gerade Mut - keene 2 W/kg und ich fiel rot wie ne matschige reife Tomate vom Rad. „Da geht noch was“ hörte ich zur Beruhigung. Dann las ich, dass innerhalb meiner Altersgruppe SENIOREN 1 ( waaaaaas? ich? Senior?) nur 27% schlechter sind als ich - SUPER. Das konnte was werden. 

Vor Malle ging es natürlich noch mal zum Friseur..wenn ich schon nicht Radfahren konnte, dann wollte ich wenigstens ne gute Figur aufm Rad machn..:-D...

Das Wiedersehen auf Malle nach Bielefeld war großartig. Wir waren echt schon wie eine Familie - als ob wir und schon immer kennen würden. Wir trafen uns für DIE ERSTE AUSFAHRT in Robbies Bar - täglicher Treffpunkt - Bikestation - Werkstatt. Die Ehemaligen  und alle, die sonst noch was mit uns zu hatten waren versammelt und los gings durch die Strassen und Gassen auf Malle. Ulle war auch dabei und da ich ihm beim Treffpunkt nicht Hallo gesagt hatte, dachte ich mir, lege ich mich mal charmant an einer Kreuzung direkt vor seine Füße..:-)..scheiß Gleichgewicht...gentlemen-like half er mir auf..und fragte, ob alles OK wäre...so schlug ich mir gleich mal das rechte Knie auf...das linke folgte kurze Zeit drauf..:-)..Die Tage flogen dahin und waren vollgestopft mit Fotoshootings, Trainingsausfahrten, Früüüühsport...ich sag nur CORE TRAINING, gemütlichem Beisammensein und SAN SALVADOR..die Trainingsausfahrten gestalteten sich so, dass die testosterongeschwängerten Möchtegern..... vorneweg fuhren und ich kleenes Haschelchen mit Maximalpuls hinterher kroch..und dann San Salvador...für mich zu dem Zeitpunkt ein Mount Everest und nur unter höchster Anstrengung erklimmbar...

Nach der Woche konnte ich jedenfalls nicht mehr sitzen, meine Muskeln bestanden nur noch aus Laktat und meine Motivation war irgendwie im Keller. Ich würde es nie schaffen, am 25.08. den Ötzi zu rocken - nicht in dem Zustand wo ich war. Obwohl ich ja nicht unfit war und mich wirklich mehrmals die Woche sportlich betätigte war ich voll die Schnarchnase auf dem Rad. Aber die Ehemaligen beruhigten mich und meinten, ich müsste mich einfach nur an den Plan der Radlaborratten halten und ich würde das locker schaffen. OK - Gesagt, getan...

Ab Mai gabs dann endlich die ersten Trainingseinheiten und ich hielt mich fleißig an die Vorgaben. Es war gar nicht so schlimm, wie ich anfangs dachte. Ich hab mich schon auf dem Rad schlafen gesehen. Eine gute Mischung aus 2h-Einheiten und langen GA1-Ausfahrten an den Wochenenden gestaltete das Training ziemlich kurzweilig und machte süchtig nach mehr..:-)..Das erste Rennen, der Rhön-Marathon Mitte Mai schaffte ich relativ locker. Obwohl ich vor der Länge von 170 km echt Schiss hatte. Ich war vorher am Stück nie mehr als 90 km gefahren und dann gleich son Ding. Aber es war echt gut und die 2500 hm waren fast nicht spürbar. Das Event an sich war echt gut organisiert - geile Strecke, coole Leute - gemütlich, familiär - nächstes Jahr wieder. Das motivierte mich und ich war fleißig am trainieren. Das zweite Rennen, der Garmin Velothon in Berlin war dann von einer ganz anderen Kategorie, aber seine Erfahrung wert. 3h Maximalpuls - dabei war weit und breit kein Berg in Sicht, Ellenbogen links und Rechts raus und ab gings. OK es waren 3:06 h und deswegen werd ich nächstes Jahr wohl nochmal starten müssen, damit ich unter die 3h Marke komme..:-)...aber auch, um dieses geile Gefühl zu erleben, aufs Brandenburger Tor zuzufahren und diese Stimmung aufzusaugen..Wahnsinn...dann wieder Training - GA1-Training, was mir langsam eeeeeecht zum Hals raushing. Wann sollte ich eigentlich mit dem Bergtraining anfangen? Ich sollte doch eigentlich den Ötzi fahren - 5500hm und eines der schwersten Jedermann-Rennen!!! Ich wollte Bergtraining und bekam es. Mal mit Rennrad, mal mit MTB machte ich die Rosenheimer Berge unsicher - natürlich immer die Uhr im Blick - 30x10,  7x4, 6 x 5 usw..:-)...“my favorite“ unter den Trainingsform en würd ich sagen...so langsam merkte ich, dass ich viel mehr Puste am Berg hatte und auch beim GA1-Training nicht mehr im Schneckentempo dahin schlich...dit wird..dit wird..dachte ich..

Auf eigene Faust fuhren ein paar Teammitglieder - wir haben uns alle so lieb gewonnen..:-)...- dann die Panoramatour bei Babsi. Die musste ich alleine fahren, weil Linda, meine Heißdüse und stetige Begleiterin, krank war. Das war krass und ziemlich anstrengend, obwohl die Strecke die gleichen Daten wie der Rhön-Marathon hatte. Aber das schmälerte nichts an meiner Motivation. Das Training ging weiter immer nach Plan - fast jeden Tag. Früher war sone Radtour von 2 Stunden fast ne halbe Weltreise für mich. Jetzt war das nen Klacks, was ich mal schnell am nachmittag nebenbei erledigte...:-)..das machte Spaß und ich freute mich schon auf meine zweite Leistungsdiagnostik Anfang Juli...an dem tag fühlte ich mich dann echt bescheiden und ich dachte echt, irgendwie war da an dem SRM-Dingens ne Bremse angezogen..Mist, dachte ich..dit haste verkackt...naja...die Werte waren dann doch ganz passabel und ich musste meine Pulsbereiche für das weitere Training komplett umstellen...jetzt konnte ich auch mal schnell fahren und kam spielend leicht die Berge hoch, ohne über meine Pulsbereiche hinauszuschießen...immer schön nach Plan..:-)...Linda, mein Hamburger Mädel bekam im Juli einen leichten Anflug von Panik vor den Bergen und besuchte mich zweimal. Wir hatten wunderschöne intensive Trainingstage hier in Rosenheim und sie freundete sich tatsächlich mit den Bergen an. Als krönenden Abschluss unseres privaten Bergtrainingscamps fuhren wir zusammen den Arlberg-Giro. Das war landschaftlich, organisatorisch und kulinarisch echt nochmal ein Highlight vor dem Ötzi...und steht nächstes Jahr ziemlich sicher auch wieder auf dem Programm..:-)..

Anfang August stand unsere letzte Leistungsdiagnostik in FFM im Radlabor an, was mit einer netten Party und fröhlichem Beisammensein des gesamten Teams abgerundet wurde. Wir spornten uns gegenseitig zu Höchstleistungen an und ich konnte mich tatsächlich nochmal ein wenig verbessern und mich auf über 3W/ kg steigern. Keine Ahnung was das im Endeffekt eigentlich wert war, aber es sah zumindest auf dem Papier gut aus...:-)...

Die letzten Wochen vor dem Ötzi zogen sich dann wie Kaugummi. Ich hatte nicht mehr so wirklich Lust aufs Training und stieg immer öfter aufs MTB um. Ich brauchte bissl Abwechslung und sehnte endlich den Ötzi herbei. Der kam dann auch mit aller Wucht und einem Bombenwetterchen..:-P..Wahrscheinlich hatte ich am Vortag nicht aufgegessen und es schüttete 5 oder 6 Stunden lang ununterbrochen. Ich hab in meinem Leben noch nie so gefroren - nicht mal am Südpol - aber ich hatte mich nur für diesem Tag vorbereitet und war topfit. Also musste ich das durchziehen, egal was kommen würde. Für mich und fürs Team Alpecin. Schließlich hatten bisher alle den Ötzi geschafft - ich wollte nicht das erste schwarze Schaf in der Reihe sein..:-)..Und ich habs geschafft. Völlig überwältigt, aber glücklich fuhren Linda und ich zusammen kurz nach 8 Uhr abends über die Ziellinie. Wir fielen uns in die Arme und das Lied, was in dem Moment gespielt wurde, werde ich nie vergessen. Den Ötzi MUSS ich auch nochmal fahren- will das ja mal vernünftig bei schönem Wetter erleben..:-)...

Aber die Saison war ja noch nicht zuende und der wahre der Alp(en)traum stand ja noch an. 3 Wochen nach dem Ötzi sollten wir eine komplette Alpenüberquerung mit 6078 hm und 252 km durchstehen. Motiviert und noch voller Glückshormone war ich 3 Wochen lang davon überzeugt, dass das ein Klacks wird. Ich trainierte ein wenig, so wie es im Plan stand und futterte Kohlenhydrate in mich rein, um die Speicher wieder aufzufüllen. Das Höhenprofil machte mir auch keine Angst, bis ich am 14.09. mitten drin war. Es war die Hölle auf Erden und ich war am Stelvio mehr tot als lebendig. Die Dämmerung und der Rennleiter machten mir dann noch einen Strich durch die Rechnung und dort war Schluss für mich. Aber auch ein wahnsinnig intensives Erlebnis. 

Knapp vorbei am Finisher-Trikot- und das sieht so geil aus!!! Ob ich mir die Tour nochmal antue? 

Nach dem Motto „Quäl Dich Du Sau“ wohl schon. VERRÜCKT!!! BEKLOPPT!!! HARRRTTTT!!!Oder einfach INFIZIERT...:-))...

 

 

 

 

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